Samstag, 2. Juni 2012

Die Himppe-Verschwörung

Mit meinen bezaubernden Kolleginnen befinde ich mich in der Lounge/Disse auf Deck 11 meines Schiffes (ja, mein Schiff. Es steht nun sogar an der Außenwand des Kahns..ich habe 51 Prozent davon als Vorschuss auf meine Heuer erhalten. Das langt mir dann aber auch..). Mein Cocktail mundet mir sehr, er hat wohl einen Alkoholgehalt von etwas mehr als zweimal um die Welt. Plötzlich ergreift der DJ das Wort. Es ist immer noch der selbe DJ, der in der Stunde zuvor nur einen meiner drei Wunschtracks gespielt hat (wenn man als DJ was auf sich hält, spielt man sofort Red Red Wine, wenn sich das jemand wünscht) . Er stoppt zeitgleich die Musik und erzählt etwas von wegen nun da Mitternacht wäre, hätte jemand Geburtstag. Ich denke mir nur, wie peinlich, das arme Schwein wird jetzt vorgeführt, doch während eines lichten Augenblicks realisiere ich das drohende Unheil. Schweistropfen ergießen sich auf meinen Jerseyanzug. Ich sende Stoßgebete gen Himmel und denke nur: bloß nicht ich. Doch es kommt wie es kommen musste... nur wenige Nanosekunden nach der Nennung meines Namens erschüttert tosender Beifall die Ostsee. Ich warte noch einige Augenblicke und begebe mich auf die Tanzfläche um einige meiner berühmten wie gefürchteten Moonwalks zu demonstrieren, während der DJ ein Geburtstagslied von der Leine lässt. Als ich gerade wieder den nun brennenden Dancefloor verlassen will, heisst es, nun käme mein Lieblingslied... Und ich dachte nur “Jo” und “cool”, “woher kennt der es” und “wie heißt es eigentlich”? Eine mir völlig fremde Melodie ertönt und auf einmal ist es wie am Morgen, wenn Aldi öffnet... Rentner füllen die freie Fläche mit ihrer modrigen Präsenz. Die folgenden Minuten unterscheiden sich nur unwesentlich von meinen Auftritten. Ein Lied beginnt, Ich kenne weder Text noch Choreografie. Die Namen der Personen, die mich mit ihren großen Augen erwartungsvoll anschauen, sind mir völlig fremd. Ich mache dennoch gute Miene zum bösen Spiel, immerhin haben die Leute die Reise ja schließlich nur wegen mir gebucht. (bevor ich es vergesse, das Lied war irgendwas mit Flieger und Tiger und es gibt ein Video von dem Totentanz..ich versuche es zu organiseren und auf der BestOfHimppeDVD zu veröffentlichen.. Update: gerade hat sich rausgestellt, dass der DJ von Bord gehen musste, unfreiwillig) Der süßlich-saure Geruch des Deos unseres lieben Gevatter Tods war mit jeder weiteren Sekunde deutlicher wahrzunehmen. Doch das Lied endet bevor jemand wiederbelebt werden muss.
Ich entschließe mich noch hinunter in die Kellergewölbe des Schiffes zu steigen, um noch etwas den Duft lebenden Fleisches einzuatmen. Die Crew-Bar ist das Herz, oder vielmehr die Leber, des Schiffes. Als ich mir schnell 4 Bier bestellen möchte, um möglichst zügig die vorangegangene halbe Stunde zu ertränken und in Feierlaune zu gelangen, heißt es sinngemäß: Nö, hier hastde nur 2. Das wird mir in der Mischung der beiden Bordsprachen mitgeteilt. (Bordsprachen sind Englisch und ein zeichensprachliches Kauderwelsch). Ich dachte es handele sich um ein Misunderstooding bzw. Achselzucken und Fingerzeig auf mich, dann auf die Crew-ID-Karte und schließlich und eine schwer zu beschreibende Handbewegung + Kopfschütteln.. doch wie sich herausstellte: keine Kohle mehr auf der Karte..und als wäre es es eine Yes-Tortie Werbung, sage ich mit reduzierter Stimme: "Und das zu meinem Geburtstag".
Schnell wird mir klar, was hier für ein perfides Spiel gespielt wird. Da haben sich einige Konspirativisten zusammengetan und sich gesagt: Oh ja, der ist berühmt und hat zusätzlich noch was auf dem Kasten... jetzt würgen wir dem mal schön einen rein, hacken uns in den Schiffscomputer, gefährden damit das Leben von knapp 3000 Menschen, löschen das ganze Geld von seiner Crew ID und vermiesen ihm damit mal so richtig seinen wohlverdienten Geburtstag. Das ganze machen wir, weil wir es nicht ertragen, dass er der erste geniale Musiker ist, der sein 28.Lebensjahr erreicht und sich nicht vorher todheroiniert, ins Gesicht geflintet oder sonst wie in Jenseits befördert hat... neben Elton John..aber...genau, ich sags lieber nicht... oder doch: Der trägt ne Brille.
Anyhow, ich hatte zwar noch ein Not-Bier auf Kabine (seit der Havarie der Costa Concordia verhalte ich mich umsichtiger. Was ist, wenn wir schnell evakuieren müssen und ich es nicht nochmal schaffe in der Staff-Bar vorbeizuschauen?) aber mit der Feierlaune und der damit verbundenen Bereitschaft, es zu genießen, war es over. Die Faschisten hatten wieder mal obsiegt und ich musste durstig ins Bett.
To be continued...


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