Samstag, 4. August 2012

Logbuch Nachtrag. Sternenzeit 12.06.2012

 Ja, was es nicht alles gibt auf dem Schiff. Crew Mess, Kapitän, ne Brücke, Dingens hier..na.. Passagiere und unter anderem Crew Parties. Am 12. Juni war es mal wieder soweit. Die ganze Provision (Prouwischn ausgesprochen) wurde freigeräumt, es gab keinen einzigen Tropfen Bier mehr im freien Verkauf (ich weiß das genau, immerhin bin ich den ganzen Crewbereich abgelaufen. Denn "meine" Polen hatten ja ihr unter Umständen vorentscheidendes Spiel gegen die Russen. Letztenendes musste ich an meine Notfallreserve um in der Lage zu sein, das Spiel zu ertragen. Man kann sich vorstellen, wie die Angst vor einer möglichen Havarie meine Feierlaune beeinträchtigte. Und die Polen spielten auch nur 1:1.) Und aufgrund der Zeitverschiebung war es zu diesem Zeitpunkt schon einen Tag später als auf dem Rest der Welt. Also spurtete ich schneller als Lichtgeschwindigkeit in die Tiefen des Schiffes, nur um dann enttäuscht feststellen zu müssen, dass Einstein irrte. Ich hatte keine einzige Minute aufgeholt. Dafür schreibe ich nun wieder im Präsens.
Auf dem Weg nach unten werde ich noch mehrfach auf den Anlass der Crew Party hingewiesen. Denn die Wände des Schiffes sind mit Plakaten tapeziert auf denen etwas von Phillipinos und Independence-Day zu lesen war. (Vielmehr kann ich nicht entziffern, denn ich bewege mich ja mit dieser atemberaubenden Geschwindigkeit, die ich mir im Crew-Gym angeeignet habe. Wer den - meiner Erinnerung nach - ersten Star Trek Film gesehen hat und sich die Szene in Erinnerung ruft, in der der adipöse Mensch, der die Enterprise befehligt, die Aktivierung des Warpantriebs - wohlgemerkt gegen den Rat seines Wissenschaftsoffiziers - erwünscht und aufgrund seines Ranges auch durchgesetzt bekommt, hat eine ungefähre Vorstellung wie das aussehen kann... man muss sich dann nur noch so eine Brille aufstetzen, die vermeintlich Betrunkenheit simulieren kann, im Endeffekt aber..blablabla)
Unten angekommen, beleidigt der Geruch abgestandenen Wassers mein sensibles Riechorgan. Ein Mensch, der auf mein ständiges Genörgel ob dieses Umstandes eingeht, teilt mir mit, dass auf der Karabik-Rundfahrt im Frühjahr hier die ganzen Leichen eingelagert wurden. Verwundert über die Tatsache, dass mir dieser Sachverhalt trotz eines eindeutig fehlenden Zusammenhangs mit meinem zuvor geäußerten Unmut zugetragen wurde, gebe ich durch meinen, nun geänderten, Gesichtausdruck zu verstehen, dass, wenn ich nicht bald etwas Alkoholhaltiges in den Rachen bekomme, sich die Lagerräume hier in ungeahnter Geschwindigkeit füllen würden. Die Person - ich habe leider keine Ahnung mehr, wer diese war (aber ich kann bestimmt mal unten nachsehen) - deutet meine Mimik nicht nur nicht richtig, sondern überhaupt nicht. Ich besorg mir also selbst ein Bier. Und wäre das nicht schon schlimm genug, gibt es auch noch Becks Gold..Also schnell hinter damit und etwas Neues ordern, vielleicht gibts ja noch was richtiges.
Doch der Mensch hinter dem Tresen drückt mir nur ne Cola in die Hand, andere bekommen von ihm aber noch etwas Richtiges. Es ist der stets grimmig dreinschauende und unheimlich gewaltbereit wirkende Chief-Security mit dem passenden Namen Ivan, der die Getränke den Personen zuteilt. Also beschließe ich, nicht zu diskutieren. Denn er würde mich ja eh nicht verstehn, er kommt ja aus Osteuropa.. die ham so nen harten Akzent. Und so warte ich mit meiner Coke in der Hand auf Außerirdische. Oder wenigstens Will Smith. Aber nix... nur der Geruch alten Wassers und diesselbe Musik, die einem schon so immer in der Crewbar in den unschuldigen Gehörgang geblasen wird.  Ganz egal, was die sich das nächste mal als Motto einfallen lassen - selbst wenn es Barbaidos mit Indiana Jones und die Jagd nach “weiß der Teufel was” ist- ... ich komm auf jeden Fall nicht nochmal den ganzen Weg nach unten.

P.S. ich bin zur nächsten Crew-Party doch nochmal nach unten gegangen. Das Motto war: Maritimer Abend oder so... 
 

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