Freitag, 26. Oktober 2012

Herbst-Gewinnspiel-Auflösung

Jo, es its vollbracht. Das doofe Rossmann, ne, wahrscheinlich der doofe Rossmann hat die Bilder entwickelt. Vielen Dank dafür. Untenstehend die ein Teil der Abzüge. 
Ich war wirklich überrascht, als ich wahllos 2 Bilder anschieh und auf dem Einen war meine Mutter und auf dem anderen eine kleine Menge Alkohol. Leicht verwirrt aufgrund der Tatsache, dass ich beide Fotos in keinerlei Zusammenhang stellen konnte, hatte ich die Foto-Tasche erstmal beiseite gelegt, wartend auf den Moment, in dem ich mich in der Lage sah, eine wahrscheinlich - aus gutem Grund - verdrängte Erinnerung wieder hervorzuzerren.
Aber alles halb so schlimm, wie vermutet.  Es handelt sich um den zweiten Teil der Fotos einer Studienreise nach Belgien. Sie trug den inoffiziellen Titel "Belgien´s Biere" und einen Urlaub mit meiner Schwester, einer Freundin meiner Schwester und meiner Mutter. Ach und dazwischen modelle ich mal wieder... 
Die Gewinner werden benachrichtigt. Ich hab bis morgen noch zu viel zu tun.
Gewinner sind alle, außer Melle. Aber sei nicht traurig, du bekommst jeden einzelnen Trostpreis. Die Gewinner bitte ich, zu warten, bis ich Zugriff auf nen Farbdrucker habe, um das Cover auszudrucken.




Achso, ich glaube ich habe irgendnen Fehler bei der Scaneinstellung gemacht, denn die Qulität der oberen Bilder, lässt nen ganzen Wunschzettel offen. Warum die letzten Bilder dann aber vom - Kontrast ausgehend - "normal" sind, kann ich nicht beantworten... nicht hier.vielleicht in meinem Wissenschaftsblog, den ich gemeinsam mit dem MIT betreiben werde.

Mittwoch, 17. Oktober 2012

Herbst-Gewinnspiel

Es ist schwer dabei, Herbst zu werden. Die Bäume takeln sich noch ein letztes mal auf, bevor sie schließlich ihre Blätter auf den Boden werfen, wie pubertierende Menschenkinder ihre Kippen, Kaugummis oder kleinen Geschwister. Die Regale sind durchzogen mit Artikeln weichnachtlichem Antlitzes. Und draußen gießt es wie aus Kanonen. Kabumm!
Beinahe täglich bekomme ich als bedeutende Person des öffentlichen Lebens, Anrufe und Mails und Twitterzeugs und Facebookbelästigungen und Besuche und Telgramme und Brieftauben und Morsesignale und MMS (ja die gibts noch) was man gegen die herbstliche Stimmungsverdunklung unternehmen kann. Mir meiner herausgehobenen Stellung in der Liga der Retter der Menschheit der Zukunft der Welt (LRMZW) bewusst, erscheint es mir daher unausweichlich, einen Preis für den Gewinner des folgenden Gewinnspiels auszuloben:
ein Kodacolor Farbfilm räkelt sich auf einer attraktiven Hand mit wunderbar gezeichneten Lebenslinien
 Dieser 35mm Kodacolor Farbfilm (ISO 400; 36 Bilder) trat bei Bergungsarbeiten in meiner Höhle zum Vorschein. Nun niemand, einschließlich mir, hat eine Ahnung davon, von wann er stammt (wagemutigerweise habe ich die Zukunft bereits ausgeschlossen - mehr dazu in Bälde auf meinem Wissenschaftsblog) geschweige denn was darauf zu sehen sein wird. Diesen Film werde ich nun am morgigen Tage - 18.10.2012 - der Entwicklung zuführen, um anschließend die Ergebnisse im weltweiten Netz publik zu machen. Komme wer oder was wolle. Die allesentscheidende Frage lautet nun wie folgt: Was wird darauf zu sehen sein?(unverbindliche Vorauswahl)

o Freunde
o Geschwister
o Eltern
o Auftragsmörder
o Genitalien
o Fußballer
o Landschaft
o Prominente
o oder
o oder

der oder diejenige, die oder der es richtig errät was auf den Bildern zu sehen sein wird oder herausfindet, wo ich die Bilder zum Entwickeln hingebracht habe um schließlich nachzuschauen, was abgebildet ist, gewinnt wieder so ne tolle CD von mir...juhuuu!

Los mitmachen, als Trostpreise winken "Lenin - Ausgewählte Werke in 3 Bänden", Das PSP- Spiel "Assasin´s Creed - Bloodlines" und die komplette erste Staffel der TV-Serie "Highlander - es kann nur einen geben" auf DVD.



Samstag, 4. August 2012

Vermissungsdinger I

 Auf dem Schiff gibt es so Einiges zu besichtigen und zu erleben. Aber es gibt auch die ein oder andere Sache, die man schmerzlichst vermisst. Anbei eine Liste mit den Top 5 Vermissungsdingern.

Fenster
(Leider mangelt es der Kabine neben ausreichend Platz, ansprechendem Mobilar zum gepflegten chillen und Wohlfühl-Raufaser-Tapete ganz einfach an den Glasdingern zum öffnen und geschlossen lassen durch die hin und wieder oder auch ab und an die Sonne scheint. Ganz zu schweigen von dem erfrischenden Gefühl wenn der Wind einem ums rasierte Haupt bläst. Und wie cool war es doch immer, mitzuerleben, wie sich ne doofe Vespe in meine Wohnung verirrt hat, die dort ne Ladung Deo abbekommt und ich ein Geldstück vom Fußboden aufhebe und der Münzwurf schließlich über Leben und Tod entscheidet. Platz 5 für Fenster)

Döner
(Auch wenn der Koch sich alle Mühe gibt, seine Unfähigkeit zu kaschieren und ab und zu mal etwas zweiTageAltes aus dem Selbstbedienungsrestaurant bis in die Tiefen des Schiffes gelangt, so einen richtigen Döner kann auf dem Schiff nix und vorallem auch niemand ersetzen... zudem musste ich erfahren, dass mein LieblingsDönerImbiss auch nicht mehr existiert, wenn ich zurückkehre... Selawiie. Platz 4 für Döner Kebap mit Knobi und scharfer Soße + Schafskäse)

Meine Freunde
(Franz jagt im komplett verwahrlosten Taxi quer durch Bayern. Franz jagt komplett verwahrlost im Taxi quer durch Bayern. Franz jagt im kompletten Taxi quer durch das verwahrloste Bayern. Tritratrullala der Kasperle ist blablabla. Und daher Platz 3 für meine Freunde... für meine guten Freunde)

Sternburg
(Der Seemann hat einen großen Feind. Den Durst. Das hat er mit Wüsten-Nomaden gemein. Und was hilft da besser gegen als ein gepflegtes Sterni, angedockt an der großen Öffnung oben am Kopf. Bestenfalls ne Apfelschorle. Aber die kann man sich hier easy peasy selber mixen. Mit nem Glas, zwei Viertel Apfelsaft, einem Viertel Sprudelwasser und last but not least einem Viertel gewöhnlicher Luft damit das Ganze nicht überläuft... Becks aus der Dose ist nur en schwacher Trost für die Sterni-Abstinenz. Platz 2 für nen Kasten Sternburg Export)

DSL
(Ja, kennt ihr ISDN, vorher war ja Modem und das war immer noch besser als das, was wir hier haben und sich Satelliten-Netz schimpft. Hier aufm Schiff sitzt scheinbar eine Person im Keller und läuft den ganzen Weg zu dem Satelliten, um dort nachzuschauen und schließlich die Seite mit Corel 9 und Dreamweaver nachzubauen. Bevor sich ne Seite aufgebaut hat gibt es meist schon wieder ein Update des Browsers. Platz 1 für Internet aus diesem Jahrtausend)

Logbuch Nachtrag. Sternenzeit 12.06.2012

 Ja, was es nicht alles gibt auf dem Schiff. Crew Mess, Kapitän, ne Brücke, Dingens hier..na.. Passagiere und unter anderem Crew Parties. Am 12. Juni war es mal wieder soweit. Die ganze Provision (Prouwischn ausgesprochen) wurde freigeräumt, es gab keinen einzigen Tropfen Bier mehr im freien Verkauf (ich weiß das genau, immerhin bin ich den ganzen Crewbereich abgelaufen. Denn "meine" Polen hatten ja ihr unter Umständen vorentscheidendes Spiel gegen die Russen. Letztenendes musste ich an meine Notfallreserve um in der Lage zu sein, das Spiel zu ertragen. Man kann sich vorstellen, wie die Angst vor einer möglichen Havarie meine Feierlaune beeinträchtigte. Und die Polen spielten auch nur 1:1.) Und aufgrund der Zeitverschiebung war es zu diesem Zeitpunkt schon einen Tag später als auf dem Rest der Welt. Also spurtete ich schneller als Lichtgeschwindigkeit in die Tiefen des Schiffes, nur um dann enttäuscht feststellen zu müssen, dass Einstein irrte. Ich hatte keine einzige Minute aufgeholt. Dafür schreibe ich nun wieder im Präsens.
Auf dem Weg nach unten werde ich noch mehrfach auf den Anlass der Crew Party hingewiesen. Denn die Wände des Schiffes sind mit Plakaten tapeziert auf denen etwas von Phillipinos und Independence-Day zu lesen war. (Vielmehr kann ich nicht entziffern, denn ich bewege mich ja mit dieser atemberaubenden Geschwindigkeit, die ich mir im Crew-Gym angeeignet habe. Wer den - meiner Erinnerung nach - ersten Star Trek Film gesehen hat und sich die Szene in Erinnerung ruft, in der der adipöse Mensch, der die Enterprise befehligt, die Aktivierung des Warpantriebs - wohlgemerkt gegen den Rat seines Wissenschaftsoffiziers - erwünscht und aufgrund seines Ranges auch durchgesetzt bekommt, hat eine ungefähre Vorstellung wie das aussehen kann... man muss sich dann nur noch so eine Brille aufstetzen, die vermeintlich Betrunkenheit simulieren kann, im Endeffekt aber..blablabla)
Unten angekommen, beleidigt der Geruch abgestandenen Wassers mein sensibles Riechorgan. Ein Mensch, der auf mein ständiges Genörgel ob dieses Umstandes eingeht, teilt mir mit, dass auf der Karabik-Rundfahrt im Frühjahr hier die ganzen Leichen eingelagert wurden. Verwundert über die Tatsache, dass mir dieser Sachverhalt trotz eines eindeutig fehlenden Zusammenhangs mit meinem zuvor geäußerten Unmut zugetragen wurde, gebe ich durch meinen, nun geänderten, Gesichtausdruck zu verstehen, dass, wenn ich nicht bald etwas Alkoholhaltiges in den Rachen bekomme, sich die Lagerräume hier in ungeahnter Geschwindigkeit füllen würden. Die Person - ich habe leider keine Ahnung mehr, wer diese war (aber ich kann bestimmt mal unten nachsehen) - deutet meine Mimik nicht nur nicht richtig, sondern überhaupt nicht. Ich besorg mir also selbst ein Bier. Und wäre das nicht schon schlimm genug, gibt es auch noch Becks Gold..Also schnell hinter damit und etwas Neues ordern, vielleicht gibts ja noch was richtiges.
Doch der Mensch hinter dem Tresen drückt mir nur ne Cola in die Hand, andere bekommen von ihm aber noch etwas Richtiges. Es ist der stets grimmig dreinschauende und unheimlich gewaltbereit wirkende Chief-Security mit dem passenden Namen Ivan, der die Getränke den Personen zuteilt. Also beschließe ich, nicht zu diskutieren. Denn er würde mich ja eh nicht verstehn, er kommt ja aus Osteuropa.. die ham so nen harten Akzent. Und so warte ich mit meiner Coke in der Hand auf Außerirdische. Oder wenigstens Will Smith. Aber nix... nur der Geruch alten Wassers und diesselbe Musik, die einem schon so immer in der Crewbar in den unschuldigen Gehörgang geblasen wird.  Ganz egal, was die sich das nächste mal als Motto einfallen lassen - selbst wenn es Barbaidos mit Indiana Jones und die Jagd nach “weiß der Teufel was” ist- ... ich komm auf jeden Fall nicht nochmal den ganzen Weg nach unten.

P.S. ich bin zur nächsten Crew-Party doch nochmal nach unten gegangen. Das Motto war: Maritimer Abend oder so... 
 

Freitag, 22. Juni 2012

Schlaflos auf 4361

Es könnte alles so schön sein
wär ich des Nachts auch mal allein
und statt mit Jenny und Sabine
teil ich mit ihm mir die Kabine

Statt zu ruhn, kann er nur schnarchen
dann lässts sich immer sehr schlecht schlafen
und liegt er nur so döst er gleich
der alte Mann aus Österreich

Chefin, Purser, Kapitän
niemand scheint mich zu verstehn
mein Wunsch versteckt in dem Gewimmer
nach einer Nacht im Einzelzimmer

Doch fehln die Streifn, so lieg ich wach
gähne tief und denke nach
über Fußball, den Sinn des Seins
auf Kabine VierDreiSechsEins

Sonntag, 10. Juni 2012

Das Himppe-Ultimatum

Am gleichen Tag ist der 22.Mai. Ich habe nur noch wenige Stunden meinen Geburtstag angemessen zu begehen. Doch bevor ich eine Spur der Verwüstung hinterlassen kann, habe ich noch eine Schulung. HR-Orientation 10:30 im Training-Room auf Deck 14. Ich komme etwas schwerfällig aus dem Bett. Das neu dazugewonnene Lebensjahr macht sich scheinbar schon bemerkbar, auch wenn ich äußerlich noch immer einwandfrei daherkomme. Gut versteckt liegt das 14. Deck ganz oben auf dem Schiff. Da, eine Tür, es steht Training drauf. Wenn es jetzt noch ein Room ist der sich dahinter hidet, bin ich wohl richtig. Hecht! Mit einem gewagten wie leichtsinnigen Sprung versuche ich die letzten Meter zu überwinden und die Klinke herunterzudrücken, um mir so Eintritt zu verschaffen. Doch, oh Graus, ich komme nicht rein. Da ist zu! Gibt es da noch einen anderen Eingang, schießt mir durch den Kopf während die Zeit einsam ihre Runden dreht. Nö, lautet die einfache Antwort. Nö, kein anderer Eingang. Ich bin sogar extra etwas gelaufen um mich nicht nur auf mein Bauchgefühl zu verlassen. Ich lehne meinen Oberkörper also lässig über die Reling um den glänzenden Ausblick auf Stockholm zu genießen und dabei unendlich cool auszusehen. Da höre ich auf einmal Stimmen. Der HR-Manager kommt mit seinem gesamten Hofstaat die Treppe hochflaniert. Wie ich mich so umdrehen will, bemerke ich, dass mich irgendetwas festhält. IrgendsoeinIdiot hat das Holzdingsda der Reling angestrichen ohne das vorher mit mir abzuklären. Mein maritimer, dunkelblauer und viel zu großer Pullover hat nun, nachdem ich mich aus den Fängen des Lacks befreit habe, ganz schön fiese Flecken und klebt wie Limo im Bart. Ich war darüber verständlicherweise nicht very amused, man kann sogar soweit gehen zu behaupten, dass ich ganz schön angepisst war. (Die Wäscherei für die Uniformen hat nämlich nur während meiner Arbeitszeiten 15.30 – 17.30 oder in der Nacht zwischen 7.00 und 8.00Uhr geöffnet). Die Schulung läuft ab, wie ich es von dem Schiff gewohnt bin. Jemand klickt sich mit unglaublicher Rasanz durch ne Powerpointpräsi, redet die ganze Zeit Englisch und ich führe wieder mal einen epischen Kampf gegen die Müdigkeit.
Das Training ist zu Ende und ich habe wieder viele Dinge gelernt, die ich schon wieder vergessen habe (ganz nach dem olympischen Motto: Dabei sein ist alles). Dann darf ich in Begleitung sogar an Land. Die Schweden sind ganz aufgeregt und eine tolle Parade findet mir zu Ehren statt, aber man erkennt mich nicht so recht, denn ich habe mich rasiert. Ein paar Menschen sind wohl auch wegen der Taufe des ...ja was ist es... also so ein MonarchenBalg wurde getauft, deswegen war wohl auch ein knappes Dutzend Menschen da...verwirrte alte Omas und andere Degeneröse. Doch ich muss schon bald nach Hause zurück bzw. ins Schiff. Aus mir unerfindlichen Gründen soll ich heute noch arbeiten.
Kaum im Schiff zurück, bin ich auch schon wieder in die Uniform gekleidet. Meine Kolleginnen nutzen meine Bereitschaft zu arbeiten schamlos aus und schicken mich quer durch den klapprigen Ozeanriesen. Ich bin kurz davor wahnsinnig zu werden, da soll ich auch noch meine Kamera aus der Kabine holen. Wieder quer durch den ganzen Kahn. Das Maß ist damit gefüllt. Wutentbrannt trete ich mit einem Jürgen-Klinsmann-Gedächtnis-Tritt ein Loch in den Rumpf des Schiffes. Mit hochrotem Kopf betrete ich schließlich meinen Arbeitsplatz und bin gelinde gesagt positiv überrascht. Dort erwartet mich ein wunderschöne Geburtstagstorte. Sie ist aus einer Tonne Schokolade und mit meinem Namen verziert. Dann kommen auch schon die ersten Gäste. Allesamt unter 7 Jahren, unwissend ob der Bedeutung des Tages und daher auch ohne Geschenke erschienen.

Meine beiden Kolleginnen überreichen mir schließlich einen Beutel gefüllt mit Bier, also mit Dosen voller Bier. Ich bin erfreut, dass sie mich schon so gut kennen. Damit haben sie genau meinen Geschmack getroffen. Als ich gerade meine Geschenke öffnen will, stoppen mich meine beiden Kolleginnen mit letzter Kraft und dem Hinweis, das ja Kinder anwesend seien. Aber es wird trotzdem noch eine tolle Party. Und diesmal ist auch niemand dabei, der Löcher in den Teppich ascht oder die ganze Bude vollgekotzt hat.
Selawie!


Samstag, 2. Juni 2012

Die Himppe-Verschwörung

Mit meinen bezaubernden Kolleginnen befinde ich mich in der Lounge/Disse auf Deck 11 meines Schiffes (ja, mein Schiff. Es steht nun sogar an der Außenwand des Kahns..ich habe 51 Prozent davon als Vorschuss auf meine Heuer erhalten. Das langt mir dann aber auch..). Mein Cocktail mundet mir sehr, er hat wohl einen Alkoholgehalt von etwas mehr als zweimal um die Welt. Plötzlich ergreift der DJ das Wort. Es ist immer noch der selbe DJ, der in der Stunde zuvor nur einen meiner drei Wunschtracks gespielt hat (wenn man als DJ was auf sich hält, spielt man sofort Red Red Wine, wenn sich das jemand wünscht) . Er stoppt zeitgleich die Musik und erzählt etwas von wegen nun da Mitternacht wäre, hätte jemand Geburtstag. Ich denke mir nur, wie peinlich, das arme Schwein wird jetzt vorgeführt, doch während eines lichten Augenblicks realisiere ich das drohende Unheil. Schweistropfen ergießen sich auf meinen Jerseyanzug. Ich sende Stoßgebete gen Himmel und denke nur: bloß nicht ich. Doch es kommt wie es kommen musste... nur wenige Nanosekunden nach der Nennung meines Namens erschüttert tosender Beifall die Ostsee. Ich warte noch einige Augenblicke und begebe mich auf die Tanzfläche um einige meiner berühmten wie gefürchteten Moonwalks zu demonstrieren, während der DJ ein Geburtstagslied von der Leine lässt. Als ich gerade wieder den nun brennenden Dancefloor verlassen will, heisst es, nun käme mein Lieblingslied... Und ich dachte nur “Jo” und “cool”, “woher kennt der es” und “wie heißt es eigentlich”? Eine mir völlig fremde Melodie ertönt und auf einmal ist es wie am Morgen, wenn Aldi öffnet... Rentner füllen die freie Fläche mit ihrer modrigen Präsenz. Die folgenden Minuten unterscheiden sich nur unwesentlich von meinen Auftritten. Ein Lied beginnt, Ich kenne weder Text noch Choreografie. Die Namen der Personen, die mich mit ihren großen Augen erwartungsvoll anschauen, sind mir völlig fremd. Ich mache dennoch gute Miene zum bösen Spiel, immerhin haben die Leute die Reise ja schließlich nur wegen mir gebucht. (bevor ich es vergesse, das Lied war irgendwas mit Flieger und Tiger und es gibt ein Video von dem Totentanz..ich versuche es zu organiseren und auf der BestOfHimppeDVD zu veröffentlichen.. Update: gerade hat sich rausgestellt, dass der DJ von Bord gehen musste, unfreiwillig) Der süßlich-saure Geruch des Deos unseres lieben Gevatter Tods war mit jeder weiteren Sekunde deutlicher wahrzunehmen. Doch das Lied endet bevor jemand wiederbelebt werden muss.
Ich entschließe mich noch hinunter in die Kellergewölbe des Schiffes zu steigen, um noch etwas den Duft lebenden Fleisches einzuatmen. Die Crew-Bar ist das Herz, oder vielmehr die Leber, des Schiffes. Als ich mir schnell 4 Bier bestellen möchte, um möglichst zügig die vorangegangene halbe Stunde zu ertränken und in Feierlaune zu gelangen, heißt es sinngemäß: Nö, hier hastde nur 2. Das wird mir in der Mischung der beiden Bordsprachen mitgeteilt. (Bordsprachen sind Englisch und ein zeichensprachliches Kauderwelsch). Ich dachte es handele sich um ein Misunderstooding bzw. Achselzucken und Fingerzeig auf mich, dann auf die Crew-ID-Karte und schließlich und eine schwer zu beschreibende Handbewegung + Kopfschütteln.. doch wie sich herausstellte: keine Kohle mehr auf der Karte..und als wäre es es eine Yes-Tortie Werbung, sage ich mit reduzierter Stimme: "Und das zu meinem Geburtstag".
Schnell wird mir klar, was hier für ein perfides Spiel gespielt wird. Da haben sich einige Konspirativisten zusammengetan und sich gesagt: Oh ja, der ist berühmt und hat zusätzlich noch was auf dem Kasten... jetzt würgen wir dem mal schön einen rein, hacken uns in den Schiffscomputer, gefährden damit das Leben von knapp 3000 Menschen, löschen das ganze Geld von seiner Crew ID und vermiesen ihm damit mal so richtig seinen wohlverdienten Geburtstag. Das ganze machen wir, weil wir es nicht ertragen, dass er der erste geniale Musiker ist, der sein 28.Lebensjahr erreicht und sich nicht vorher todheroiniert, ins Gesicht geflintet oder sonst wie in Jenseits befördert hat... neben Elton John..aber...genau, ich sags lieber nicht... oder doch: Der trägt ne Brille.
Anyhow, ich hatte zwar noch ein Not-Bier auf Kabine (seit der Havarie der Costa Concordia verhalte ich mich umsichtiger. Was ist, wenn wir schnell evakuieren müssen und ich es nicht nochmal schaffe in der Staff-Bar vorbeizuschauen?) aber mit der Feierlaune und der damit verbundenen Bereitschaft, es zu genießen, war es over. Die Faschisten hatten wieder mal obsiegt und ich musste durstig ins Bett.
To be continued...


Freitag, 11. Mai 2012

Mit Sicherheit!

Leckt mich wund! Der Sicherheitstest stand heute morgen um 10Uhr an. Manche an Bord nennen ihn auch ehrfurchtsvoll Safety-Test. Der Legende nach, zeichnete sich vor einigen hundertmillionen Jahren, als die Sehfahrt noch in den Kinderschuhen steckte, ein gewisser Pete Safety für ein großes Unheil verantwortlich. Er hatte im Maschinenraum geraucht, alle Feuerschutztüren offen gelassen, die Anzahl der Main-Fire-Zones nicht gekannt, nicht gewusst wie er die Brücke erreichen konnte, Dinge in die Water-Tight-Doors gestellt und dabei nicht mitbekommen, dass islamistische Terroristen das Schiff übernehmen wollten. Im Endeffekt waren alle Dinosaurier tot. Was für eine Tragödie.
Fortan mussten alle Neuankömmlinge auf einem Schiff für diesen Test lernen (Nochmal vielen Dank, Pete). Bringen tut er nichts, er ist zu einer Art Ritual verkommen. Selbst ich sollte teilnehmen, da half auch alles lamentieren nicht. Der Kapitän des Schiffes sah keine Möglichkeit, mich von dem Umstand auszunehmen. Ich hatte ihm sogar angeboten, für eine Woche pünktlich auf Arbeit zu erscheinen. Mit folgenden lapidaren Zeilen wurde ich abgespeist: „Hiermit möchten wir mit allem Nachdruck unser Verständnis für ihren Unmut zum Ausdruck bringen. Wir haben alle Hebel in Bewegung gesetzt um eine Ausnahmeregelung zu erwirken. Doch das Internationale Komitee für den Pete-Safety-Test (ICPST) hat unserem Antrag auf Freistellung vom obligatorischen Sicherheitstest leider abgelehnt. Die Vorschriften seien leider nicht zu ändern, auch nicht für Herrn G. hieß es. Wir sind zutiefst betrübt über diesen Umstand, hoffen aber, dass Sie dennoch bereit sind, ihren Dienst weiterhin mit dem gleichen Elan zu erledigen und auf ihre unnachahmliche Art und Weise nachzugehen. Wir schätzen uns über alle Maßen glücklich, Sie an Bord unseres Schiffes zu haben und werden alles daran legen Ihnen das Leben fortan so angenehm wie möglich zu gestalten. Höchstachtungsvoll, der Kapitän“. Man kann sich leicht ausmalen, wie sich das auf meine Arbeitsmoral ausgewirkt hat. Sollen die doch sehen, wo sie bleiben...oder hinfahren, ich breche mir hier keinen Zacken mehr aus der Krone. Mal schauen, ob wir weiterhin so sicher durch das Baltikum navigieren und die ganzen Somali-Piraten abwehren können wenn ich mir genüsslich den lieben langen Tag die Kopfhaut massieren lasse.
Gerade noch für die Entsorgung von der ollen Fischern frenetisch gefeiert und im nächsten Moment behandelt wie drei Liter Erbrochenes auf der Terrasse der Ferienwohnung. So ist das Leben auf dem Schiff. Wahrlich kein Suppeschlürfen, kein Rommeespielen und erst recht kein Topmodelschauen.

Wie dem auch sein, ich musste also lernen, lernen und nochmals lernen, bis mir der Kopf qualmte. Insgesamt gingen so gestern bestimmt 3-4 Stunden meiner kostbaren Lebenszeit über den Jordan. Aber was sollte ich machen? Jetzt ist der Test vorbei und ich würdige den Kapitän keines Blickes mehr. Er darf sich auch nicht mehr an meinen Tisch setzen (es war mir sowieso immer ein Dorn im Auge, dass er fast den ganzen Ketchup für sich beanspruchte). Beste Voraussetzungen also für die nächsten knapp 4 Monate... mit Sicherheit!

Donnerstag, 10. Mai 2012

Wenn man mal seine Ruhe haben will.

Da scheißt der Fuchs in´n Bau! Da ist doch tatsächlich die erste Reise, die ich unternehme, ne Spezial-Reise. Und... genau, das Thema war passenderweise: Schlager! Und da war auch nicht irgendwer an Bord..Ne! Michi Holm, der alte Barde, Irene Sheer – extra für ihr hundertjähriges Bühnenjubiläum wieder exhumiert – und eine gewisse Helene Fischer. Angeblich die Person, an der sich der geniale Florian Silbereisen dank Heiratsurkunde regelmäßig vergehen darf oder jetzt besser gesagt durfte.. mehr dazu weiter unten.
Und dementsprechend auch das Publikum: Betrunkene everywhere: grölend im Pool oder in der Horizontalen auf dem Gang. Ganz nach dem Motto: Wenn schon Schlager, dann auch richtig. Oder andersrum. Wenn auch Schlager, dann schon richtig..oder Richtig auch dann, Schlager schon wenn..oder githcir hcua nnad, regalhcS nohcs nneW. Wie dem auch sei...
Es ist irgendwann in der Vergangenheit. Ich habe gerade Feierabend, da werde ich von hinten angesprochen. Von einer mir nicht gänzlich unbekannten Stimme. Sie sagt: „Himppe!“ Ich drehe mich um und erwidere erstmal nichts. „Kennst du mich noch?“ Es arbeitet in mir, aber ich komme nicht auf ihren Namen. „Ich bins, Helene, wir haben uns beim Schlagerfestival in Marnsdorf kennengelernt und dann nochmal beim Echo kurz unterhalten.. Helene Fischer, erinnerst du dich nicht?“ will sie mir auf die Sprünge helfen. Ich gestehe ihr, dass ich das Jahr über zuviele Auftritte hatte, um mich an jeden Einzelnen zu erinnern, aber ich würde mich selbstverständlich über ihre Anwesenheit freuen (Letzteres war natürlich gelogen, es war mir scheissegal ob sie oder ne Tüte Plaste-Löffel). Also sage ich ihr, dass ich noch zu arbeiten hätte. Sie lässt sich nicht so einfach abwimmeln und wir tauschen letztendlich noch Autogrammkarten aus. Dabei schreibt sie zwar meinen richtigen Vornahmen auf, jedoch ohne das notwendige Sir. Außer mir über diesen Fauxpas, pfeffer ich ihr eine und schmeiss sie über die Reling (ja, da bin ich sehr penibel). Die Menge jubelt mir zu und ich geh an die Theke um mein Feierabendbierkasten zu mir zu nehmen. Schulterklopfen allenthalben, bis mir das alles zu viel wird und ich die Bar schließen lasse um endlich mal meine Ruhe zu haben. Kann manchmal ganz schön stressig sein an Bord.

Freitag, 20. April 2012

eine erste Einordnung der Dinge

Ich glaub mich tanzt der Bär an.. ab heute sind es nur noch keine 2 Wochen mehr bis es mich in die große weite Welt des Baltikums verschlägt...
Was aber ist das Baltikum eigentlich. So viel sei schon mal vorweg genommen, es wächst nicht im Topf, das ist das Basilikum. Diese Verwechslung tritt häufiger auf, als der gemeine Mensch denkt. Wenn die Ehefrau zum Beispiel fragt: "hast de an das Baltikum gedacht? Ne? Womit sollen wir denn jetzt den Tomate-Mozzarella-Salat anrichten, der Herr? Mit deiner Sportbild etwa?". Um etwaigen Beziehungskrisen vorzubeugen, habe ich die Klarstellung gleich mal vorweg genommen.
Lirum, larum, also was ist denn dann das Baltikum? Das Baltikum ist das Areal, in dem ich die nächsten gut 4 Monate verbringe, um steinreich zurückzukehren.
Bis in Bälde!
euer himppe