Freitag, 11. Mai 2012

Mit Sicherheit!

Leckt mich wund! Der Sicherheitstest stand heute morgen um 10Uhr an. Manche an Bord nennen ihn auch ehrfurchtsvoll Safety-Test. Der Legende nach, zeichnete sich vor einigen hundertmillionen Jahren, als die Sehfahrt noch in den Kinderschuhen steckte, ein gewisser Pete Safety für ein großes Unheil verantwortlich. Er hatte im Maschinenraum geraucht, alle Feuerschutztüren offen gelassen, die Anzahl der Main-Fire-Zones nicht gekannt, nicht gewusst wie er die Brücke erreichen konnte, Dinge in die Water-Tight-Doors gestellt und dabei nicht mitbekommen, dass islamistische Terroristen das Schiff übernehmen wollten. Im Endeffekt waren alle Dinosaurier tot. Was für eine Tragödie.
Fortan mussten alle Neuankömmlinge auf einem Schiff für diesen Test lernen (Nochmal vielen Dank, Pete). Bringen tut er nichts, er ist zu einer Art Ritual verkommen. Selbst ich sollte teilnehmen, da half auch alles lamentieren nicht. Der Kapitän des Schiffes sah keine Möglichkeit, mich von dem Umstand auszunehmen. Ich hatte ihm sogar angeboten, für eine Woche pünktlich auf Arbeit zu erscheinen. Mit folgenden lapidaren Zeilen wurde ich abgespeist: „Hiermit möchten wir mit allem Nachdruck unser Verständnis für ihren Unmut zum Ausdruck bringen. Wir haben alle Hebel in Bewegung gesetzt um eine Ausnahmeregelung zu erwirken. Doch das Internationale Komitee für den Pete-Safety-Test (ICPST) hat unserem Antrag auf Freistellung vom obligatorischen Sicherheitstest leider abgelehnt. Die Vorschriften seien leider nicht zu ändern, auch nicht für Herrn G. hieß es. Wir sind zutiefst betrübt über diesen Umstand, hoffen aber, dass Sie dennoch bereit sind, ihren Dienst weiterhin mit dem gleichen Elan zu erledigen und auf ihre unnachahmliche Art und Weise nachzugehen. Wir schätzen uns über alle Maßen glücklich, Sie an Bord unseres Schiffes zu haben und werden alles daran legen Ihnen das Leben fortan so angenehm wie möglich zu gestalten. Höchstachtungsvoll, der Kapitän“. Man kann sich leicht ausmalen, wie sich das auf meine Arbeitsmoral ausgewirkt hat. Sollen die doch sehen, wo sie bleiben...oder hinfahren, ich breche mir hier keinen Zacken mehr aus der Krone. Mal schauen, ob wir weiterhin so sicher durch das Baltikum navigieren und die ganzen Somali-Piraten abwehren können wenn ich mir genüsslich den lieben langen Tag die Kopfhaut massieren lasse.
Gerade noch für die Entsorgung von der ollen Fischern frenetisch gefeiert und im nächsten Moment behandelt wie drei Liter Erbrochenes auf der Terrasse der Ferienwohnung. So ist das Leben auf dem Schiff. Wahrlich kein Suppeschlürfen, kein Rommeespielen und erst recht kein Topmodelschauen.

Wie dem auch sein, ich musste also lernen, lernen und nochmals lernen, bis mir der Kopf qualmte. Insgesamt gingen so gestern bestimmt 3-4 Stunden meiner kostbaren Lebenszeit über den Jordan. Aber was sollte ich machen? Jetzt ist der Test vorbei und ich würdige den Kapitän keines Blickes mehr. Er darf sich auch nicht mehr an meinen Tisch setzen (es war mir sowieso immer ein Dorn im Auge, dass er fast den ganzen Ketchup für sich beanspruchte). Beste Voraussetzungen also für die nächsten knapp 4 Monate... mit Sicherheit!

Donnerstag, 10. Mai 2012

Wenn man mal seine Ruhe haben will.

Da scheißt der Fuchs in´n Bau! Da ist doch tatsächlich die erste Reise, die ich unternehme, ne Spezial-Reise. Und... genau, das Thema war passenderweise: Schlager! Und da war auch nicht irgendwer an Bord..Ne! Michi Holm, der alte Barde, Irene Sheer – extra für ihr hundertjähriges Bühnenjubiläum wieder exhumiert – und eine gewisse Helene Fischer. Angeblich die Person, an der sich der geniale Florian Silbereisen dank Heiratsurkunde regelmäßig vergehen darf oder jetzt besser gesagt durfte.. mehr dazu weiter unten.
Und dementsprechend auch das Publikum: Betrunkene everywhere: grölend im Pool oder in der Horizontalen auf dem Gang. Ganz nach dem Motto: Wenn schon Schlager, dann auch richtig. Oder andersrum. Wenn auch Schlager, dann schon richtig..oder Richtig auch dann, Schlager schon wenn..oder githcir hcua nnad, regalhcS nohcs nneW. Wie dem auch sei...
Es ist irgendwann in der Vergangenheit. Ich habe gerade Feierabend, da werde ich von hinten angesprochen. Von einer mir nicht gänzlich unbekannten Stimme. Sie sagt: „Himppe!“ Ich drehe mich um und erwidere erstmal nichts. „Kennst du mich noch?“ Es arbeitet in mir, aber ich komme nicht auf ihren Namen. „Ich bins, Helene, wir haben uns beim Schlagerfestival in Marnsdorf kennengelernt und dann nochmal beim Echo kurz unterhalten.. Helene Fischer, erinnerst du dich nicht?“ will sie mir auf die Sprünge helfen. Ich gestehe ihr, dass ich das Jahr über zuviele Auftritte hatte, um mich an jeden Einzelnen zu erinnern, aber ich würde mich selbstverständlich über ihre Anwesenheit freuen (Letzteres war natürlich gelogen, es war mir scheissegal ob sie oder ne Tüte Plaste-Löffel). Also sage ich ihr, dass ich noch zu arbeiten hätte. Sie lässt sich nicht so einfach abwimmeln und wir tauschen letztendlich noch Autogrammkarten aus. Dabei schreibt sie zwar meinen richtigen Vornahmen auf, jedoch ohne das notwendige Sir. Außer mir über diesen Fauxpas, pfeffer ich ihr eine und schmeiss sie über die Reling (ja, da bin ich sehr penibel). Die Menge jubelt mir zu und ich geh an die Theke um mein Feierabendbierkasten zu mir zu nehmen. Schulterklopfen allenthalben, bis mir das alles zu viel wird und ich die Bar schließen lasse um endlich mal meine Ruhe zu haben. Kann manchmal ganz schön stressig sein an Bord.