Donnerstag, 16. Januar 2014

Abenteuer-Urlaub II pt.4

Ich wache auf. Davor habe zunaechst getraeumt, ich wuerde vor zig tausend Menschen gegen nen Kumpel wrestlen wollen/muessen. Beim Einlauf scheint das Publikum nicht sonderlich angetan. Vereinzeltes Raunen ertoent und ich winke ins Publikum. Nur die aelteren Damen und ein paar Kinder winken zurueck. Die sind aber in der Minderzahl. Waehrend ich den ewig langen Weg (er macht den Eindruck einer Rennstrecke) entlang stolziere, gebe ich noch seltsame Geraeusche von mir. Ich meine wohl, dass muesse so sein. Ich rolle mich seitlich unter den Ringseilen durch, mein Kontrahent versucht es kopfueber, aber daran musste er ja scheitern. Szenenwechsel. Ich sitze mit meinen Eltern und meiner Schwester am Tisch. Doch wir muessen los, irgendwohin. Der frisch gekuehrte Weltfußballer kommt des Weges und setzt sich als erster auf die Rueckbank des Mercedes' meiner Mutter. Ich denke mir, ein Erinnerungsfoto waere angebracht. Meine Schwester soll diesen Moment fuer die Ewigkeit festhalten. CR7 und H8000, zwei Maenner von Weltformat warten gemeinsam, dass meine Mutter nen Gang einlegt. Auf einmal will Jerome Boateng auch mit aufs Bild. Zum Glueck endet der Traum just in diesem Moment. Der talentarme Typ haette das Erinnerungsstück doch total versaut.
Ich muss den Wohnungsschluessel meiner Stepsister bei einer Freundin von ihr unweit meines jetzigen Standpunktes (also dort, wo ich mich befinde, während der Zeit, von der ich schreibe) abgeben. In Uniform und bewaffnet erwartet sie mich. Aber ich habe keine Angst. Sie hat keinen Grund auf mich zu schießen, sie kennt mich ja noch nicht so gut. Schluessel also abgegeben und fix zum Hauptbahnhof. Von dort alles wie gehabt.
Im Rewe-Supermarkt verzichte ich diesmal auf den Kauf von Aepfeln, ich habe ja noch drei im Rucksack. Und so erwerbe ich nur eine Koffein-Limo und -sozusagen Premiere- ein Sieger-Bier (Ein Sieger-Bier ist eigentlich eine gewoehnliche Hopfen-Kaltschale. Sie wird erst zum Sieger-Bier, wenn man sie/es trinkt und sich dabei sagt, das habe ich mir nach all den Strapazen verdient. Ob die Strapazen real oder nur imaginiert sind, das spielt dabei eigentlich keine wesentliche Rolle.). Dann fuehrt mich mein Schicksal ohne Umwege direkt zum Archiv. Dort treffe ich etwas frueher als ueblich ein und bin auch der zweite, der sich dort ueberhaupt befindet. Aber das ist ja nicht weiter schlimm.
Ich baue mein mobiles Buero auf und stelle mir als Ansporn die Flasche Staropramen ganz in die Naehe. Und dann geht es los. Der Plan ist aufgestellt. Die Uhr tickt.
Es laeuft gut. Jetzt bloß keine weitere Zeit verschwenden, indem ich mir selbst permanent auf die Schulter klopfe. Nen Apfel essen? Nachher. Ein Schluck Wasser? Gleich. Toilette? In meinem Koerper ist noch Platz. Und dann kommt der Archivar. Das habe ich ja total verdraengt. Er sieht die Kartons, die ich in den vergangenen selbsstaendig aus den Regalen genommen habe, damit er nicht vorbeikommen musste, damit ich Zeit spare, damit ich meinen Plan erfuellen kann. Begeisterung macht ein anderes Gesicht. Doch dann, Probleme mit dem Gartengrundstueck. Das soll verkauft werden, die Verwaltung kommt nicht aus dem Quark. Zinsen, Hypothek, alles was damit zusammenhaengt. Ich biete ihm an, mit ihm die ganzen Kartons wieder einzusortieren, ich hab sogar einen Wuerfel dabei, für den Fall, dass sich Unklarheiten auftun. Doch es geht auch ohne, nur meine Manpower ist gefragt. Da hat sich ja doch einiges aufgestapelt. Nun ist die Zeit doch weg. Die erste Stunde Puffer, zerflossen im ewigen Aether der Unendlichkeit. Und so kuendige ich an, dass ich waehrend unseres Gespraechs, weiter scannen wuerde und verleihe meiner Hoffnung Ausdruck, dass das Geraeusch, das der Scanner verursacht, ihn nicht stoere. Ne, das tut es nicht, darum und deswegen. Ich bitte ihn noch um die Kontaktdaten einiger Zeitzeugen und schlussendlich verabschiedet er sich und wuenscht mir alles Gute.
Ich jage alles, was noch von Relevanz erscheint ueber das Vorlagenglas, durch das USB-Kabel hinein in meinen Rechner. Da das Zimmer mit den Aktenbestaenden nun bereits abgeschlossen ist, verzichte ich wohl oder uebel auf das weitere Stoebern und packe meine siebentausend Sachen. Mit zwei Schlaegen uebermannt mich die Muedigkeit. Die ganze Zeit unter Strom und auf einmal zunehmender Druckabfall. Falle ich jetzt in einen hundertjaehrigen Schlaf? Noe, das nicht, aber auf einmal habe ich keinen Appetit mehr auf das dahinposierende Bierchen.
Die Abschiedsrunde beginnt. Auf Wiedersehen, bis bald einmal, vielen Dank und was man so sagt. Die gesamte Belegschaft versammelt sich, winkt mir und wuerft mir Kuesse hinterher. Ob er jemals wiederkommen wird, fragen sich die Mitarbeiter des NOFV lautstark gegenseitig. Traenen fließen und verwandeln den gesamten Vorplatz in einen reißenden Strom des Mitgefuehls, der Wehmut und auch der Hoffnung, mein strahlendes Laecheln bald wiedersehen zu duerfen.
Und so entwerte ich zum vorlaeufig letzten Mal ein Ticket und fahre mit den grimmigen Berlinern zum Hauptbahnhof.
Dort ist die Hoelle los. Sind wohl ein paar Verkehrsmittel der DB mit Verspaetung unterwegs. Entgleiste Gesichtzuege allenthalben, das pure Entsetzen. Menschen stuerzen sich vom Obergeschoss in die Tiefe, doch ich habe noch immer keine Lust auf mein Sieger-Bier. Der Connex kommt. Ich steige mit einer Krokodilstraene im Knopfloch in diese Schlange aus Stahl und uebelriechenden Sitzbezuegen. Auf geht es in meine Geburtsstadt. Lange nicht mehr dagewesen.
Am Hauptbahnhof spuckt uns der Zug aus und ich laufe nach Hause. Das Geld werfe ich den Leipziger Verkehrsbetrieben nicht in ihren gierigen Schlund. Eine kurze Ruhepause. Zeit zur Besinnung. Und dann gehts ins Bett. Schlafen. Ob Jerome noch auf das Foto wartet?
Bis bald. Euer Himppe.

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